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Mental Load: Wenn der Kopf nie Pause macht

  • vor 5 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Woman juggling many things - Mental Load
Woman juggling many things - Mental Load

Haben Sie sich heute schon gefragt, ob das Geschenk für den Kindergeburtstag am Wochenende besorgt ist? Ob die Waschmaschine rechtzeitig fertig wird, damit die Lieblingshose morgen trocken ist? Und haben Sie daran gedacht, dass der Termin zur Zahnreinigung für Ihren Partner eigentlich schon längst überfällig war?


Wenn sich Ihr Kopf anfühlt wie ein Browser mit 47 offenen Tabs, die alle gleichzeitig Musik spielen, dann hat das einen Namen: Mental Load.


In diesem Beitrag erfährst du, was Mental Load eigentlich ist, wie er sich im Leben zeigen kann, welches psychologische Modell dahinterstehen kann und was du tun kannst, um wieder mehr innere Entlastung zu spüren.


Was ist Mental Load?

Mental Load beschreibt die gedankliche und emotionale Organisationsarbeit, die im Alltag anfällt. Es geht nicht nur darum, Aufgaben zu erledigen, sondern vor allem darum, an sie zu denken, sie zu planen, zu koordinieren und Verantwortung zu tragen.

Beispiele:

  • Wer organisiert den Kindergeburtstag?

  • Wer merkt, dass die Zahnpasta leer ist?

  • Wer plant den Urlaub oder denkt an Versicherungen?

  • Wer hat im Kopf, wann der nächste Elternabend ist?

Oft sind es Frauen, die diese „unsichtbare Projektleitung“ im privaten Leben übernehmen – zusätzlich zu Beruf, Partnerschaft und eigenen Bedürfnissen. Mental Load ist deshalb weniger eine einzelne Aufgabe, sondern eine dauerhafte innere To-do-Liste, die selten Pause macht.


Ein psychologisches Modell: Das Stress-Ressourcen-Modell

Ein hilfreiches Modell, um Mental Load zu verstehen, ist das sogenannte Stress-Ressourcen-Modell aus der Psychologie. Es beschreibt, dass unser Wohlbefinden stark davon abhängt, wie gut sich Anforderungen und Ressourcen die Waage halten.


Anforderungen sind alles, was Energie kostet:

  • Organisation und Verantwortung

  • Berufliche Aufgaben

  • Familien- und Beziehungsarbeit

  • Emotionale Unterstützung für andere

  • Perfektionsansprüche an sich selbst


Ressourcen sind alles, was Energie gibt:

  • Unterstützung durch Partner:innen oder Familie

  • Zeit für sich selbst

  • Erholungsphasen

  • Wertschätzung

  • Klar strukturierte Zuständigkeiten

  • Selbstfürsorge und Grenzen


Wenn Anforderungen und Ressourcen im Gleichgewicht sind, fühlen wir uns meist stabil. Wenn jedoch dauerhaft mehr Anforderungen als Ressourcen vorhanden sind, entsteht Stress – und langfristig Erschöpfung.


Mental Load wirkt in diesem Modell wie ein versteckter Verstärker von Anforderungen: Er erhöht die mentale Dauerbelastung, ohne dass automatisch mehr Ressourcen entstehen. Dadurch gerät das innere Gleichgewicht leichter ins Wanken.


Wie zeigt sich Mental Load in Ihrem Leben?


Mental Load schleicht sich oft leise ein, bis das Fass überläuft. Erkennen Sie sich in diesen Punkten wieder?


  • Die ewige Liste: Sie führen im Kopf (oder auf Papier) endlose To-do-Listen, die niemals kürzer werden.

  • Entscheidungsmüdigkeit: Am Abend können Sie nicht einmal mehr entscheiden, was es zum Abendessen geben soll, weil Sie den ganzen Tag über bereits Hunderte kleine Entscheidungen für andere getroffen haben.

  • „Hättest du mich halt gefragt“: Dieser Satz Ihres Partners löst bei Ihnen innerlich eine Explosion aus. Warum? Weil das „Fragen-Müssen“ bedeutet, dass die Verantwortung für die Planung immer noch bei Ihnen liegt.

  • Körperliche Erschöpfung: Obwohl Sie vielleicht gar nicht körperlich schwer gearbeitet haben, fühlen Sie sich „ausgebrannt“. Schlafstörungen oder innere Unruhe sind oft die Folge.

Wichtig zu wissen: Mental Load ist kein „Frauenthema“ aus biologischer Sicht. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen. Da Frauen oft noch immer so sozialisiert werden, dass sie sich für das emotionale Wohl und die Organisation zuständig fühlen, trifft es sie statistisch gesehen deutlich häufiger.

Warum betrifft Mental Load so viele Frauen?

Gesellschaftliche Erwartungen spielen eine große Rolle. Viele Frauen wachsen mit dem Bild auf, für das emotionale und organisatorische Wohl aller verantwortlich zu sein. Selbst wenn Aufgaben im Haushalt oder in der Familie aufgeteilt sind, bleibt die mentale Planung oft bei ihnen.


Hinzu kommt ein innerer Anspruch:„Ich muss alles im Griff haben.“„Ich darf nichts vergessen.“„Es soll für alle passen.“


Diese Gedanken erhöhen die inneren Anforderungen zusätzlich – und verschieben das Gleichgewicht im Stress-Ressourcen-Modell weiter in Richtung Überlastung.


Wege aus der Erschöpfungsfalle: So beeinflussen Sie den Mental Load


Die gute Nachricht ist: Mental Load ist kein Schicksal. Es erfordert jedoch Mut zur Veränderung und Kommunikation.


1. Das Unsichtbare sichtbar machen

Schreiben Sie alles auf. Nicht nur „Einkaufen“, sondern: Inventur im Kühlschrank machen, Einkaufszettel schreiben, Pfandflaschen einpacken, zum Laden fahren. Erst wenn die Komplexität der Planung sichtbar wird, kann sie geteilt werden.


2. Verantwortung statt Aufgaben übertragen

Es hilft nicht, wenn Sie Aufgaben delegieren („Bring bitte den Müll raus“). Ziel muss es sein, Verantwortungsbereiche abzugeben. Wenn Ihr Partner für das Thema „Abendessen“ zuständig ist, bedeutet das: Er plant, er kauft ein und er kocht. Ohne dass Sie ihn daran erinnern müssen.


3. „Gut genug“ ist das neue Perfekt

Oft halten wir unbewusst an einem Perfektionismus fest, der den Mental Load befeuert. Was passiert wirklich, wenn das Kind einmal keine passenden Socken trägt oder der Kuchen für das Schulfest gekauft statt selbstgebacken ist? Erlauben Sie sich, Prioritäten radikal neu zu setzen.


4. Die „Not-To-Do“-Liste

Was können Sie streichen? Welche Erwartungen (oft die der anderen oder der Gesellschaft) erfüllen Sie nur aus Gewohnheit? Selbstfürsorge beginnt dort, wo man Nein zu einer Aufgabe sagt, um Ja zu sich selbst zu sagen.


5. Unterstützung annehmen

Mental Load muss nicht allein getragen werden. Gespräche mit Partner:innen, Freundinnen oder auch psychotherapeutische Begleitung können helfen, Muster zu erkennen und neue Strategien zu entwickeln.


Gerade wenn du dich dauerhaft erschöpft oder überfordert fühlst, kann es entlastend sein, darüber zu sprechen.


Ein erster Schritt zu mehr innerer Entlastung

Mental Load ist real – auch wenn er oft unsichtbar bleibt. Wenn du dich in diesem Thema wiedererkennst, bist du damit nicht allein.

Das Stress-Ressourcen-Modell zeigt: Es geht nicht darum, alles perfekt zu organisieren, sondern darum, wieder ein Gleichgewicht zu finden. Zwischen Verantwortung und Entlastung. Zwischen Geben und Auftanken.


Ein abschließender Gedanke

Mental Load zu reduzieren ist ein Prozess. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles perfekt aufzuteilen, sondern um das Bewusstsein, dass Ihre mentale Energie eine endliche Ressource ist. Gehen Sie behutsam mit ihr um.


Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Last zu schwer wird und Sie den Weg aus der Erschöpfung allein nicht finden, kann eine therapeutische Begleitung helfen, Muster zu erkennen und neue Grenzen zu setzen.


Möchten Sie tiefer in das Thema eintauchen? Ich kann Ihnen helfen, eine strukturierte Vorlage für ein Klärungsgespräch mit Ihrem Partner zu entwerfen oder Tipps zur Abgrenzung im Alltag zu formulieren.


 
 
 

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